Anna Ehrenstein
The Language of the Soil

Wer sorgt dafür, dass KI funktioniert – und welche Spuren hinterlässt diese Arbeit bei den Betroffenen? Anna Ehrenstein geht in The Language of the Soil dieser Frage nach.
Das Projekt entstand in enger Zusammenarbeit mit der Forscherin Ariana Dongus sowie den Aktivist*innen und Worker-Researcher*innen Richard Mathenge, Mophat Okinyi und Fasica Berhane, die selbst als digitale Plattformarbeiter*innen tätig waren und Ehrenstein mit weiteren Arbeiter*innen und Beteiligten vor Ort verknüpften.


Die multisensorische Ausstellung macht erlebbar, wie (post-)koloniale Kontinuitäten, globale Ökonomien und die unsichtbare Arbeit hinter Algorithmen zusammenwirken. Im Zentrum stehen Menschen, die in Nairobi Large Language Models trainieren oder als Texter*innen in Kairo für OnlyFans arbeiten.
“Meine Arbeit versteht künstlerische Forschung als kollektive Wissensproduktion. In The Language of the Soil geht es nicht um individuelle Erkenntnis oder ‚künstliche‘ Intelligenz, sondern um geteilte Intelligenz – um Wissen, das sich zwischen Menschen, Technologien und Geschichten formt, wie ein Licht, das viele Augen erreicht.”
Soil, also die Erde, steht in Ehrensteins Arbeit für den Ursprung und die Spuren von Arbeit, die oft unsichtbar bleiben. Sie verkörpert die materiellen Grundlagen, auf denen digitale Ökonomien aufbauen. Zugleich verweist sie auf die Beständigkeit historischer Hierarchien und Ausbeutungsverhältnisse, die in heutigen globalen Arbeits- und Datenökonomien fortwirken. Der Boden fungiert als Symbol für die Verwobenheit von Mensch, Natur und Technologie und bildet den Ausgangspunkt künstlerischer Reflexion sowie kollektiver Fiktion.


Du bist eingeladen, die Bedingungen dieser Form von digitaler Arbeit nachzuvollziehen, die Spuren menschlicher Arbeit zu erkennen und deine eigene Rolle darin zu reflektieren. Zugleich wirft die Ausstellung Fragen nach Solidarität, Handlungsmacht und Widerstand in einer zunehmend automatisierten Welt auf.
CREDITS
The Language of the Soil wurde gemeinsam mit den Wissenschaftler*innen Ariana Dongus, Richard Mathenge, Mophat Okinyi und Fasica Berhane entwickelt und unter anderem durch die Unterstützung von Fotografiska Berlin ermöglicht. Mit Beiträgen von Ibrahim Ahmed (Künstler), Dalton Odiyo (Designer) und Zana Hoxha (Weberin).
Die Ausstellung wurde von Thomas Schäfer, Director of Exhibitions bei Fotografiska Berlin, in Zusammenarbeit mit der Künstlerin kuratiert.
ÜBER DIE KÜNSTLERIN
Anna Ehrenstein (1993) arbeitet transdisziplinär als Künstlerin mit Schwerpunkten in Forschung, Lehre und kollaborativen Projekten. Ihre Praxis umfasst Assemblage, lensbasierte Medien, Installationen, soziale Interaktionen und Texte. Sie studierte Medienkunst, Fotografie und Kuration und ist seit 2024 Professorin für Fotografie an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig. Zuvor lehrte sie unter anderem am Bard College, an der Technischen Universität Berlin, an der Universität der Künste Berlin, an der Stellenbosch Academy in Südafrika sowie bei Photopia Cairo in Ägypten.
In ihren Arbeiten beschäftigt sich Ehrenstein mit der materiellen Kultur der Peripherie, mit vernetzten Bildern und digitalen Ökologien in einem Zustand globaler Verflechtung und Prosumption. Sie stellt international aus, unter anderem mit Einzelausstellungen am Musée d’art de Joliette (Kanada) und am Goethe-Institut New York, bei der Lagos und der Ural Biennale. Ihre Werke befinden sich in öffentlichen und privaten Sammlungen, darunter das Museum of Modern Art in Warschau, die Bundeskunstsammlung und das Fotomuseum Winterthur. Sie wurde mit dem C/O Berlin Talent Award (2020) ausgezeichnet und war unter anderem für den Prix Pictet nominiert.
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