Lee Shulman
No Place Like Home

In No Place Like Home erweckt Lee Shulman Tausende vergessene Dias aus den 1950er-Jahren zu neuem Leben, indem er sie in eine immersive Erfahrung in einem nachgebauten Wohnraum verwandelt. Einst verworfene private Erinnerungen werden so zu gemeinsamen Fragmenten kollektiver Geschichte, und die stille Poesie des Alltäglichen entfaltet sich neu.
Indem Lee Shulman diese anonymen Leben wieder sichtbar macht, lädt er die Besucher*innen dazu ein, darüber nachzudenken, wie das Intime, Vergessene und Alltägliche still und subtil unsere gemeinsame kulturelle Erinnerung prägt.
„Ich suche nach den Momenten, die aus einem einfachen Haus ein Zuhause machen. Es sind der Komfort, die Wärme, das Gefühl von Sicherheit, die mich durchatmen lassen und mir erlauben, die Welt von meinem eigenen Fenster aus zu beobachten. Diese Bilder erinnern mich daran, dass Zuhause nicht nur ein Ort ist, sondern ein Gefühl, zu dem ich immer wieder zurückkehre, ein Ort, an dem ich mich geborgen, frei und ganz ich selbst fühle. No Place Like Home.“
ÜBER DEN KÜNSTLER
Der mehrfach ausgezeichnete Filmregisseur und Künstler Lee Shulman (geboren 1973 in London, Großbritannien – lebt in Paris, Frankreich) gründete 2017 The Anonymous Project, kurz nachdem er online seine erste Kiste mit anonymen Kodachrome-Dias erworben hatte und sich in die Menschen und Geschichten verliebte, die in diesen kleinen Fenstern in die Vergangenheit eingefroren sind. Heute umfasst The Anonymous Project nahezu eine Million Bilder und hat sich zu einer der weltweit größten Diasammlungen der Amateurfotografie entwickelt, die den Zeitraum von den 1940er-Jahren bis in die frühen 2000er-Jahre abdeckt.
Durch kuratorische Auswahl und fotografische Transformation erweckt Shulman diese persönlichen Aufnahmen zu neuem Leben und verwebt sie zu eindrucksvollen Erzählungen über Erinnerung, Familie, Liebe und kulturelle Veränderungen über Generationen hinweg. Seine Arbeiten nehmen vielfältige Formen an, die das ursprüngliche Dia neu interpretieren – von Cibachrome-Abzügen und Leuchtkästen bis hin zu immersiven Installationen und digitalen Interventionen.
Dieser narrative Impuls bildet den Kern von Shulmans Werk und lädt Betrachter*innen dazu ein, aus den von ihm zusammengestellten Bildern eigene Geschichten zu entwickeln. Seine filmische Expertise prägt seinen cineastischen Ansatz; seine Fotografien wirken oft wie Einzelbilder aus einem unsichtbaren Film. Indem er historische Schnappschüsse in einen zeitgenössischen Kontext stellt, regt er zur Reflexion über unsere gemeinsame visuelle Geschichte und deren heutige Resonanz an. In einer Zeit, in der Fotografien zunehmend digital produziert und konsumiert werden, unterstreichen seine skulpturalen Arbeiten – etwa Schmuckschatullen mit einzigartigen Vintage-Dias – die anhaltende Verbindung zwischen Fotografie, Erinnerung und Materialität.
Zusammenarbeit ist ein zentraler Bestandteil seines Ansatzes. Mit Künstlern wie Omar Victor Diop und Martin Parr hat er zahlreiche hybride Werke initiiert, um den Dialog des Projekts zu erweitern. In seiner Zusammenarbeit mit Omar Victor Diop etwa integriert er Diop in Familienfotografien und schafft so neue Erzählungen für eine Zeit, die in den USA von rassistischer Segregation geprägt war.