Artist Talk: Phillip Toledano
Wie leicht lassen wir uns täuschen?
Bildquelle: © Phillip Toledano
Der Konzeptkünstler Phillip Toledano präsentiert seine neuesten Arbeiten und spricht gemeinsam mit Nisha Merit, Managing Editor von Sleek Magazine, über Fotografie im Zeitalter der KI und deren Verantwortung. Moderiert wird das Gespräch von Marie-Luise Mayer, Exhibitions Manager bei Fotografiska Berlin.
Über weite Teile ihrer Geschichte hinweg fungierte Fotografie als Beweis – als Garantie dafür, dass etwas existiert haben muss, um sichtbar zu sein. Mit dem Aufkommen künstlicher Intelligenz ist dieses Versprechen grundlegend ins Wanken geraten. Bilder entstehen heute ohne Ereignis, ohne Kamera und ohne Zeugenschaft – und stellen damit nicht nur Autor*innenschaft, sondern auch die Bedingungen infrage, unter denen Wahrheit konstruiert wird.
In seiner fortlaufenden Werkserie Historical Surrealism untersucht Phillip Toledano diesen Wandel, indem er visuelle Geschichten erfindet, die emotional und ästhetisch überzeugend wirken. Im Rahmen dieses Abends präsentiert er seine neuesten Arbeiten aus der Serie – hier erstmals gezeigt – und reflektiert darüber, wie sich Fiktion, Erinnerung und Technologie in seiner künstlerischen Praxis überschneiden.
Gemeinsam diskutieren Phillip Toledano und Nisha Merit KI nicht als ferne Bedrohung, sondern als gegenwärtiges kreatives Werkzeug: Was bedeutet Autor*innenschaft, wenn Bilder generiert werden? Wie navigieren Medien und Kulturinstitutionen Glaubwürdigkeit in einer Zeit, in der scheinbar alles möglich ist? Und erleben wir einen Bruch in der Geschichte der Fotografie oder ihre logische Weiterentwicklung?
Ein Abend über Storytelling, Zweifel und kritische Reflexion im Zeitalter synthetischer Bilder.
Über den Künstler
Phillip Toledano (geb. 1968, London) ist ein amerikanischer Künstler mit Sitz in New York. Seine konzeptuelle Praxis umfasst Fotografie, Skulptur, Installation und den Einsatz neuer Technologien. Im Mittelpunkt seiner Arbeit stehen Fragen der Identität, des Gedächtnisses, der Wahrheit und der kulturellen Narrative, die unser Bild von uns selbst und anderen prägen. Internationale Anerkennung erlangte er mit Days With My Father (2006–2009), einer zutiefst persönlichen Auseinandersetzung mit Demenz, Verlust und familiären Bindungen. In den letzten Jahren hat er sich als Pionier im künstlerischen Einsatz von künstlicher Intelligenz etabliert und nutzt spekulative Bildsprache, um die „Wahrheit" des fotografischen Dokuments in Frage zu stellen. Seine Arbeiten wurden international gezeigt, darunter bedeutende Einzelausstellungen wie The Day Will Come When Man Falls im Haus der Photographie in den Hamburger Deichtorhallen.
Über die Gästin
Nisha Merit ist eine unabhängige Kuratorin und Autorin, die Netzwerke über Disziplinen und geografische Grenzen hinweg aufbaut. In den vergangenen zehn Jahren lebte und arbeitete sie in Johannesburg, Südafrika, und entwickelte eine internationale Praxis des Ausstellungsmachens und der Zusammenarbeit. Derzeit ist sie Managing Editor bei SLEEK Magazine in Berlin.